Manöver „Waffenbrüderschaft 80“

Manöver „Waffenbrüderschaft 80“


Im Jahre 1980 nahmen mehrere Teile des damaligen FJB 40 an zwei Maßnahmen des Manövers „Waffenbrüderschaft“ teil. Ein Teil bereitete sich auf die Abschlussparade in Magdeburg vor und ein anderer Teil, die 1. FJK (wenn ich nicht irre), hatte im Seelandeabschnitt bei Peenemünde (genauer gesagt Karlshagen) an der dort stattfindenden, gemeinsamen Seelandung mit Marineinfanteristen der Sowjetischen Streitkräfte (schwarze Barette), der polnischen Marineinfanterie (blaue Barette), den Kampfschwimmern der NVA sowie dem MotSchReg. 29 der NVA anzulanden.

Das Kontingent war gut bestückt. Wenn ich mich recht erinnere war Big Fish als Kommandeur unseres Kontingenteseingesetzt. Es waren einige Offiziere, wie Lippi und K. dazu kommandiert worden. Wir bezogen gemeinsam mit anderen Truppenteilen der NVA ein Lager. Nun sind ja solche Manöverhandlungen, die vor den obersten politischen und militärischen Führungen der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrages stattgefunden haben, nicht nur eine Übung für Stäbe und Führungsorgane sondern auch für die Teilnehmenden Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere. Damit so eine Handlung, an der unzählige Truppen teilnehmen auch klappt, hat es mehr den Charakter einer Lehrvorführung und militärischen Show.

So war dies auch im Seelandeabschnitt. Man sollte so etwas aber nicht belächeln. Der Ausbildungseffekt dabei ist nicht zu unterschätzen. Alle teilnehmenden Kräfte, werden in die Lage eingewiesen und trainieren ihre Handlungen bis zur Perfektion. Ich weiß nicht mehr wie lange wir im Truppenlager untergezogen sind aber ich kann mich noch gut erinnern, dass am Abend öfter mal einer „abgebissen“ wurde. Lutze St. wollte mal in der Nacht ein „Glasmantelgeschoss“ entsorgen und schmiss dieses in den Wald. Es landete unmittelbar vor den Füßen eines Offizier der Verwaltung 2000.

Der Polit der MotSchReg war auch als Polit des Truppenlagers eingesetzt. Irgendwoher hatte er zwei Paar Boxhandschuhe und schon ging es los. Mitten zwischen den Zelten wurde nach völlig unorthodoxen Regeln geboxt. Im MotSchReg gab es einen sehr guten Boxer, der serienweise alles umhaute. Bis zu dem Zeitpunkt als er gegen Uffz. Wendland antrat. Wer Uffz. W. kennt (der übrigens heute die Kickboxschule in Strausberg leitet), weiß dass mit ihm, der ein guter Soldat war (bis er eine Flasche Fit in den Springbrunnen vor der Strausberger Schwimmhalle kippte und der entstehende Schaum bis auf die Straße schwappte), in solchen Sachen nicht zu spaßen war.

Jockl, wie Uffz. W. genannt wurde, ließ einen Trommelwirbel über sich ergehen, schlug einmal zu und der Kampf war beendet. Auch Uffz. Sorge beendete seinen Kampf sehr vorzeitig. An mehr Kämpfe kann ich mich leider nicht erinnern. Schade auch. Jedenfalls machten unsere Soldaten eine sehr gute Figur bei diesen „Spielen“. Sehr guten Kontakt hatten wir zu den Marineinfanteristen der Polnischen Armee. Ich war ja begeistert von der Disziplin dieser Soldaten. Man muss dazu allerdings erklären, dass die Unteroffiziere des Polnischen Kontingentes wesentlich älter und lebenserfahrener waren als unsere Uffze., die ja man gerade erst 20 / 21 Jahre alt waren. Ich weiß noch, die polnische Kompanie marschierte an unserem Zelt vorbei. Der KC, ein Hptm., kam auf uns zu um zu quatschen und eine Zigarette zu rauchen.

Die Kompanie marschierte weiter. Nach etwa 100 m schaute sich der führende Uffz. um und sah, dass sein KC bei uns stehen geblieben ist. Daraufhin ließ er die Kompanie schwenken und an uns vorbei marschieren. Als diese wieder 100 m weiter war ließ er erneut schwenken und die Kompanie defilierte das Zweite mal an uns vorbei. Der polnische Offizier schnippte seine Zigarette weg und ging seiner Einheit nach. Als das der Uffz. bemerkte setzte die Kompanie ihren Weg fort. Unsere Herrn Landser wären wahrscheinlich um die nächste Ecke gebogen und es hätte ein „Feuer frei“ gegeben. Na ja, die Polnische Armee hat mich schon beeindruckt.

Nach dem Manöver kam es zwischen den Soldaten und Unteroffizieren auch zum regen Barettaustausch. Leider hielten sich die sowjetischen Marineinfanteristen sehr bedeckt. Mit ihnen hatten wir überhaupt keinen Kontakt und sahen sie nur auf dem vom „Platzpatronenrauch“ erfüllten „Schlachtfeld“. Unsere Aufgabe war es, gemeinsam, mit Polnischen und Sowjetischen Marineinfanteristen und unseren Kampfschwimmern, nach dem ersten, massierten Raketen- und Artillerie-, sowie Luftschlag, als erste mittels Hubschrauber anzulanden die Sperren zu überwinden und die Führungsstellen der ersten Staffel der Verteidigung zu vernichten.

Heute kann ich über diese Aufgabe eigentlich nur schmunzeln, hätte man uns doch dafür unmittelbar in der Nähe dieser Führungsstellen absetzen müssen. Aber das wäre ja keine Show. So sprangen wir ins Wasser, keulten den Strand rauf und 100 m in den Wald. Danach war das Manöver für uns beendet. Allerdings wurde in der Minute, wie wild geballert und geknallt, dass es eine reine Lust war. Wir machten, außer des Trainings der Teilabschnitte, ein gesamtes Training dafür. So bestiegen wir die Hubschrauber und flogen aufs offene Meer hinaus. Unter uns waren die Landungskräfte der vereinten Ostseeflotten. Unsere Landungsschiffsbrigade, genauso wie die der Polen und der Sowjetischen Flotte.

Ich sah das erst mal Luftkissentragschiffe in zwei Größen. Ein kleineres, dass wohl so um die 60 Soldaten aufnehmen kann und ein Großes, wo ich vermute, dass es bis zu 120 – 150 Soldaten oder entsprechende Technik anlanden kann. Das weiß ich aber nicht so genau. Über diesen Kräften kurvten die Helikopter ein und flogen in Richtung Seelandeabschnitt. Gesprungen wurde aus der Standschwebe so zwischen 2 – 3 m Höhe. Der Strand von Karlshagen und der Festlandsockel sind nicht sehr tief. Man kann 200 m ins Meer gehen und ist erst bis zur Hüfte im Wasser. Durch die Rotoren wurde das Wasser unter uns doch erheblich aufgewirbelt so dass es nicht einfach war, einzuschätzen wie tief das Wasser ist.

Ich fragte vor dem Verlassen des Helikopter (ich sprang als erster) den Mechaniker, der uns die Tür öffnete, wie tief das Wasser sei. Er zeigte mir 30 – 50 cm an. Als ich sprang war ich allerdings fast bis zum Hals weg. (Nun kann ich die Lästerer schon hören, „na da hatte der Mechaniker ja recht“ ha, ha, ha Ihr Lästermäuler.) Ich hatte einfach nicht damit gerechnet dass das Wasser doch wesentlich tiefer war und bin dann zur allgemeinen Freude der Soldaten auch noch umgeknickt. Na jedenfalls war ich nass wie ein Pudel und die nachfolgenden Jäger hatten mal gerade einen nassen Bauch bekommen. Das ganze Gegenteil passierte dann beim scharfen Ritt, der Vorführung vor den hohen Zuschauern. Da war das Wasser nur 10 cm hoch und ich landete wieder mit der Schnauze im Wasser, weil ich dachte, das Wasser sei tiefer. Na egal, wir haben auf jeden Fall den Feind geworfen, wie es auch nicht anders zu erwarten war.