Entstehung der Fallschirmtruppen

Die Entstehung und Herausbildung von Fallschirmtruppen und Luftlandeeinheiten in Deutschland

Die Herausbildung der Fallschirmtruppen in Deutschland vollzog sich von 1935 bis 1939 in dem Bemühen der deutschen militärischen Führung, neue Lösungswege zu beschreiten, um in der Anfangsperiode eines Krieges entscheidende Vorteile über den Gegner zu erlangen. Durch den überraschenden Einsatz von Fallschirmjägern sollten vor allem der Vormarsch von gepanzerten Stoßkräften erleichtert, das Hinterland des Gegners desorganisiert, Verwirrung unter dessen Truppen und Panik unter die Bevölkerung getragen werden. Den Fallschirmjägern war damit die Rolle eines militärischen und psychologischen Stoßtrupps im Rahmen der Blitzkriegskonzeption zugedacht.

Das erste Bataillon der Fallschirmjäger wurde im November 1935 von der Luftwaffe aufgestellt. Es gliederte sich im Sommer 1937 in

    3 Schützenkompanien,

    1 Maschinengewehr- und

    1 Pionierkompanie.

Im Rahmen des Heeres wurde 1936 ebenfalls 1 Fallschirminfanteriezug aufgestellt, der bis Frühjahr 1938 auf 1 Bataillon erweitert wurde. An den Wehrmachtmanövern 1937 nahmen erstmals Fallschirmjägertrupps der Luftwaffe und des Heeres teil, die Sabotageeinsätze gegen Eisenbahneinrichtungen hinter der Front übten. Im Zuge der Aggressionsvorbereitungen gegen die Tschechoslowakei beschleunigte das OKW den Ausbau der Fallschirmtruppen.

Unter dem Begriff Fallschirmjäger wurden in der Wehrmacht zunächst
3 Kategorien erfasst:

  1. die Fallschirmjäger der Luftwaffe, die  nach Eingliederung des Fallschirminfanteriebataillons des Heeres am 01.01.1939 im Sommer 1939 über 5 Bataillone mit 20 Kompanien verfügten;

  2. die Lastenseglertruppe der Luftwaffe, deren Aufstellung zum 01.04. 1938 befohlen wurde und die im November 1939 den ersten Einsatzverband bildete;

  3. die Luftlandetruppen, die im Sommer 1938 aus einem Luftlandebataillon, dem SA-Regiment „Feldherrnhalle“ und dem Infanterieregiment 16 der 22. Luftlande-Infanteriedivision bestanden.

Im September 1938 übernahm die 7. >Fliegerdivision das Kommando über die Einheiten einschließlich die mit Ju-52 ausgerüsteten Kampfgruppen z. b. V. (Transportverbände). Bis September 1939 galten die Fallschirmjäger nicht als selbständige Waffengattung, sondern wurden als Verbandsgattung angesehen.

In der Anfangsperiode des zweiten Weltkrieges  kamen Fallschirmjäger. wiederholt zu größeren Einsätzen, so im April 1940 gegen Ziele in Dänemark und Norwegen, im Mai 1940 gegen das belgische Sperrfort Eben Emael und am Albertkanal sowie in den Niederlanden. Das bedeutendste Unternehmen bildete der mit der Luftlandung von Teilen der 5. Gebirgsdivision und eines Luftlandesturmregiments verbundene Absprung von 3 Regimentern der Fallschirmjäger zur Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941.

Die Einsätze in den Niederlanden und besonders auf Kreta zeigten die den Fallschirmjägern gesteckten Grenzen. Neben unzureichender Luftunterstützung erwies sich ihre leichte Infanteriebewaffnung im Kampf gegen einen zur Verteidigung entschlossenen Gegner als zu schwach. Eine Unterstützung in Form schwerer Waffen, vor allem Granatwerfern und leichten Geschützen, konnte angesichts der geringen Nutzlastfähigkeit der Transportflugzeuge nur in sehr begrenztem Maße gegeben werden. Ab 1942 wurden Versuche mit Lastenseglern zum Transport eines speziellen 2-Mann-Panzers unternommen. Die Verwendung leichter, rückstoßgeminderter Infanteriegeschütze, die 1940/41 in zerlegtem Zustand, später durch Abwurf an Mehrfachfallschirmen mitgeführt wurden, litt am Fehlen geeigneter Zugmittel.

Die schweren Verluste an Personal und Flugzeugmaterial beim Luftlandeunternehmen gegen Kreta sowie das endgültige Scheitern der Blitzkriegskonzeption im Winter 1941/42 vor Moskau und schließlich vor Stalingrad führten dazu, dass die Fallschirmjäger in der Folgezeit größtenteils als Infanterie eingesetzt wurden. Im Fallschirm- bzw. Luftlandeeinsatz kamen sie im begrenzten Rahmen noch im November 1943 bei der Besetzung der Insel Leros und im Dezember 1944 bei der Ardennenoffensive zur Verwendung. Daneben bestanden kleinere Sondereinheiten (u.a. bei der Waffen-SS sowie bei den Fernaufklärungskräften des Heeres), die wiederholt zu Kommandounternehmen eingesetzt wurden.

1942/43 dienten die Fallschirmjäger der Wehrmachtsführung vor allem als mobile Eingreifreserve. So wurden kurzfristig Verbände im Lufttransport auf entfernte Kriegsschauplätze verlegt, z. B. 1942 nach Nordafrika und Südfrankreich, 1943 nach Tunesien und Sizilien. Stärkere Kontingente der Fallschirmjäger waren vom Herbst 1941 bis zum Kriegsende an der deutsch-sowjetischen Front sowie 1944 in Italien eingesetzt.

Strukturell wurden die Fallschirmjäger ab Sommer 1940 im XI. Fliegerkorps zusammengefasst. Es bestand aus Korpstruppen, der 7. Fliegerdivision sowie der 5. Gebirgsdivision, also aus springenden, luftlandenden und lufttransportierenden Teilen. Die Lufttransportkapazität wurde durch den Einsatz von Lastenseglern der Typen Go-242, Go 345 und Me-321 „Gigant“sowie des Großraumtransporters
Me- 323 „Gigant“ erhöht.

1942 wurde begonnen, auf dem Grundstock des XI. Fliegerkorps Fallschirmjägerdivisionen zu formieren. Mit der Erweiterung der bis 1943 aufgestellten 4 Divisionen im Laufe des Jahres 1944 um 3 und der Bildung der 1. Fallschirmarmee (November 1943 – Mai 1944), die starke Züge einer allgemeinen Armeegruppe trug, vollzog sich die Trennung der Fallschirmjäger von den Transportfliegerkräften. Zugleich glichen sich die Fallschirmjäger hinsichtlich Organisation, Struktur, Ausbildung und Bewaffnung, vor allem aber des Gefechtseinsatzes immer stärker herkömmlichen Infanteriedivisionen an. Die Soll-Stärke der Fallschirmarmee betrug 90.242 Mann, die der Fallschirmjägerdivisionen je 12.000 und die der Fallschirmjägerregimenter je 3.460 Mann. Am 24.09. 1944 wurde die Formierung weiterer 4 Fallschirmjägerdivisionen aus dem Personal aufgelöster Scheinwerfer-Batterien und der Ersatzluftwaffe befohlen. Ihr Soll-Bestand war je Division 10.000 Mann. Die von Ende 1944 bis März 1945 überhastet aufgestellten, unzureichend ausgebildeten und bewaffneten Verbände kamen nur noch teilweise zum Einsatz.

Die Fallschirmjäger erlitten während des Krieges schwere Verluste und wurden größtenteils aufgerieben oder gerieten in Gefangenschaft