Chronik

Chronik FJB-40 / LStR-40 

Das FJB-40 wurde in den Jahren seines Bestehens den Forderungen einer Sonder- bzw. Spezialeinheit der Landstreitkräfte gerecht. Seitens der NATO wurden sowohl das FJB als auch das Luftsturmregiment hinsichtlich Personalstärke und Bewaffnung stets überschätzt. Nicht jedoch hinsichtlich Schlag- und Kampfkraft, Härte und Ausbildungsstand. Die Soldaten haben mit viel Energie, Selbstbewustsein unter hohen Belastungen ihre Aufgaben erfüllt. Durch den Einsatz bei den Demonstrationen in Leipzig sank die Stimmung ziemlich auf Null, und es gab keine weiteren Einsätze.

Ab dem 02. Oktober 1990 unterstand das Luftsturmregiment-40 dem Bundeswehr- kommando Ost, das die nicht einfache Aufgabe hatte, die ehemalige NVA und ihre Fallschirmjäger „abzuwickeln“. Die Kameradschaft der Männer blieb jedoch über das Ende der Einheit bestehen.

Generalleutnant a.D. Günter Leistner , ehem. Stellv. d. Chefs d. Hauptstabes der NVA in dem Buch:  „Vom Himmel auf die Erde ins Gefecht“

Die Entscheidung für die Aufstellung eigener Luftlande-Einheiten der Nationalen Volksarmee fällt gegen Ende der 1950-er Jahre. Somit ergeht im Jahre 1959 der Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung (MfNV), Armeegeneral Willi Stoph, ein Luftlandebataillon der Landstreitkräfte aufzustellen. Heinz Hoffmann, seit dem 14. Juli 1960 neuer Minister für Nationale Verteidigung, setzt sich weiter für die Aufstellung ein. Die Entscheidung für die Aufstellung eigener Luftlande-Einheiten der Nationalen Volksarmee fällt gegen Ende der 50-er Jahre. Somit ergeht im Jahre 1959 der Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung (MfNV), Armeegeneral Willi Stoph, ein Luftlandebataillon der Landstreitkräfte aufzustellen. Heinz Hoffmann, seit dem 14. Juli 1960 neuer Minister für Nationale Verteidigung, setzt sich weiter für die Aufstellung ein.


1960

Oktober 1960

 In Prora, auf der Ostsee-Insel Rügen (Gemeinde Binz), erfolgt die Aufstellung des Mot.-Schützenbataillons 5 (MSB-5). Erster Kommandant wird Oberstleutnant Ehrhard Bernhagen (damals Major).


1961

September 1961

Erste Fallschirmsprünge einer FJ-Kompanie über dem Flugplatz Barth aus der zweimotorigen Iljuschin Il-14 mit sowjetischen Fallschirmen PD-47, RS-1 und PD-41. Zu dieser Zeit besteht das Bataillon aus zwei Fallschirmjägerkompanien (FJK) mit je 80 Mann (Gliederung in je drei Züge mit je drei Gruppen). Bewaffnung und Uniform entsprechen denen der Mot.-Schützen.

 28. Sept. – 10. Okt. 1961

Teilnahme an der Kommandostabsübung »Burja« (Sturm). Erstmals kommt eine Kompanie des Verbandes zusammen mit polnischen Streitkräften bei Stettin zum Einsatz (infanteristischer Einsatz). Weitere Übungen im Ausland hat es nicht mehr gegeben.


1962

13. Januar 1962

Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung der DDR, Armeegeneral Heinz Hoffmann, über die Aufstellung einer Fallschirmjägereinheit der NVA. Ihre Aufgabe ist u.a. die Aufklärung von Führungsstellen, Verkehrs- und Nachrichtenknotenpunkten. Die Fallschirmjäger dienen als Soldat auf Zeit (SAZ) mindestens drei Jahre.

 28. Februar 1962

Auf Beschluss des Nationalen Verteidigungsrates erfolgt anlässlich des 6. Jahrestages der Nationalen Volksarmee die Umbenennung des Mot.-Schützenbataillon 5 (MSB-5) in Fallschirmjägerbataillon 5 (FJB-5). Somit entsteht die Waffengattung Fallschirmjäger/Luftlandetruppen der Nationalen Volksarmee. Die Gesamtstärke des FJB-5 beträgt zu diesem Zeitpunkt 342 Soldaten, 80 Unteroffiziere sowie 43 Offiziere.

Der „Kampfanzug für Aufklärer“, vom 1. August 1961 bis zum 31.Januar 1962 in der Erprobung, wird an die Aufklärer, an die Angehörigen des Fallschirmdienstes der Luftstreitkräfte sowie an die Fallschirmjäger ausgegeben. Der normale Kampfanzug und die einteilige Sprungkombination entfallen somit. Der neue Kampfanzug besteht aus einer Jacke und Hose aus Dederonmischgewebe und ist in Vierfarbdruck, auch Flächendruck genannt, hergestellt.

13. September 1962

Oberstleutnant Ehrhard Bernhagen übergibt das Bataillon an seinen Nachfolger, Major Hubert Pardella.


1963

 2. März 1963

Übergabe der Truppenfahne an das Fallschirmjägerbataillon 5. Generalmajor Martin Bleck, Chef des Militärbezirks V, übergibt sie in Prora in die Hände von Major Pardella. Die Fahne bleibt auch die folgenden Jahre unverändert. Die Umbenennungen werden jedoch durch Fahnenbänder angezeigt.

9. – 14. September 1963

Teilnahme der Fallschirmjäger an der Übung »Quartett« im Süden der DDR. Erstmals üben Truppen und Stäbe von vier soz. Armeen (SoA, Polnische Armee, Tschechoslowakische Volksarmee und NVA) gemeinsam in einem Manöver auf dem Territorium der DDR.

November 1963

Beratungen leitender Offiziere des B/A-Dienstes der NVA, der Verwaltung Ausbildung im MfNV und des Fallschirmjägerbataillons gelangen zu der Aufassung, dass auf Grund der speziellen Rolle der Fallschirmjäger besondere Ausrüstungsgegenstände sowie Uniformen nötig sind.


1964

 15. Februar 1964

Die Leitung des MfNV beschließt die Einführung einer speziellen Uniform für die Fallschirmjäger der NVA. Gemäß DV-98/4 wird die schrittweise Einführung der neuen Uniform vorgenommen. So werden für den Dienst Keilüberfallhosen und Sprungschuhe eingeführt. Anstatt des „Schiffchens“ wird ein steingraues Barett als Kopfbedeckung getragen. Als Waffenfarbe wird Orange bestimmt. Die Einkleidung mit den neuen Uniformen findet im September ihren Abschluss.

1. Mai 1964

Erstmalige Teilnahme an der Mai-Parade in der Hauptstadt, jedoch noch in den Uniformen der Aufklärer, aber bereits mit steingrauem Barett.


1965

29. Januar 1965

Sämtliche Fahrzeuge der NVA erhalten das Hoheitsabzeichen. Es sind die Farben Schwarz/Rot/Gold mit Staatswappen in runder Form, Durchmesser 200 Millimeter. Erstmalig war das Hoheitsabzeichen jedoch beim Manöver »Quartett« verwendet worden.


1966

1. September 1966

Oberstleutnant Hubert Pardella übergibt das Kommando an Hauptmann Gleau.

22. Dezember 1966

Einführung des NVA-Fallschirmsprung-Abzeichens – Befehl 82/66 – durch den Minister für Nationale Verteidigung.


1967

 Oktober 1967

Erstmalige Verleihung des Fallschirmsprungabzeichens der NVA.


1968

Teilnahme an der Kommando Stabsübung »Frühling/Sommer 68«.

15. April 1968

Major Egon Gleau übergibt das Bataillonan an Oberstleutnant Schulz.


 1969

Einführung des roten Baretts und der Uniform mit offenem Kragen (offene Fas-son). Inkraftsetzung der Dienstvorschrift DV 30/4 „Gefechtseinsatz von Einsatzgruppen“.

23. September 1969

Dem Fallschirmjägerbataillon wird der Traditionsname »Willi Sänger« verliehen.


1970

Teilnahme an den Übungen »Frühling 70« sowie »Waffenbrüderschaft« (12. bis 18.Oktober 1970). Das FJB-40 nimmt an einer kombinierten See-Luftlandung im Raum der Insel Usedom teil.


1971 

1. November 1971

Übernahme des Bataillons durch Major Kurt Elsner.

1. Dezember 1971

Umbenennung in Fallschirmbataillon 2 (FJB-2).


1972

6. Januar 1972

In Begleitung sowjetischer und NVA-Generalität, darunter Armeegeneral Heinz Hoffmann, besucht der Staatsratsvorsitzende und Parteichef Erich Honecker den Truppenteil „Willi Sänger“.

8. November 1972

Neben der Unterstellung unter das Kommando Landstreitkräfte erfolgt die Umbenennung in Fallschirmjägerbataillon 40 (FJB-40).

1. Dezember 1972

Bildung des Kommandos der Landstreitkräfte in Potsdam-Geltow. Befehlshaber und gleichzeitig Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung wird Generalleutnant Horst Stechbarth. Das FJB-40 wird dem neu geschaffenen Kommando der LaSK unterstellt.


1973

Erste Veröffentlichung im westlichen Ausland über das FJB-40 in „Informationen
für die Truppe“ sowie „Infantery Magazin“.

26. – 31. März 1973

Teilnahme an der Kommandostabsübung »SEWER 73« , welche gemeinsam mit den
Truppen der GSSD auf dem Territorium der DDR stattfindet.

1. September 1973

Kommandeurswechsel: Oberstleutnant Elsner übergibt das Bataillon an Major
Friedhelm Reddig.

19. September 1973

Der Befehl 148/73 modifiziert die Bedingungen für den Erwerb des
Fallschirmsprungabzeichens. So sind für den Erwerb der Grundstufe – ohne
Anhänger – nur noch fünf statt zehn Sprünge erforderlich.


1976

20. Februar 1976

Generalleutnant Horst Stechbarth wird zum Generaloberst befördert.


1978

7. Oktober 1978

Gründung des „Willi-Sänger-Clubs“ in Berlin durch Reservisten des
Fallschirmjägerbataillons bei einem Treffen zum Anlass der Ehrenparade zur
Staatsgründung der DDR.

31. Dezember 1978

Schneekatastrophe zum Jahreswechsel im Norden der DDR. Durch starke Schneefälle
kommt es zu Stromausfall, der Straßen- sowie auch der Schienenverkehr werden
lahm gelegt. Auf der Insel Rügen setzt schon am folgenden Tag ein fast
dreiwöchiger Hilfseinsatz ein, der die Versorgung von Teilen der Bevölkerung
durch das Fallschirmjägerbataillon 40 sicherstellt.


1979

Übergabe des Bataillons an Major Langer.


1980

8. Juli 1980

Sprung der 1. FJK im Verlauf der Truppenübung »Zyklon 80« , die im Raum Wismar ,
Ludwigslust , Kyritz durchgeführt wird. Die Fallschirmjäger werden als
Diversionseinheiten gegen die gegnerischen Truppen eingesetzt.

4. – 12. September 1980

Teilnahme am Manöver »Waffenbrüderschaft 80« , dass in verschiedenen Bezirken
der DDR stattfindet. An der abschließenden Parade in Magdeburg beteiligen sich
auch die Fallschirmjäger.


1981

Beginn des Umzuges nach Lehnin (bei Potsdam, Bezirk Brandenburg).

1981

Bildung der 4. Fallschirmjägerkompanie (FJK) als Wachkompanie für das
Ministerium in Strausberg, den Minister für Nationale Verteidigung, seine
Stellvertreter und deren Familien. Dies erfordert einen Personalzuwachs von etwa
200 Mann.

25. März 1981

Übung »Nordwind 81«. Absprung im Norden der DDR (Rostock, Wismar).

2. August 1981

Übergabe des FJ-Bataillons an Oberstleutnant Flache.


1982

15. März 1982

Vorläufige Unterbringung des gesamten Bataillons in Baracken auf dem
Truppenübungsplatz Lehnin. Es dauert mehr als ein Jahr, bis die Kasernen und
Ausbildungsanlagen, zum Teil in Eigenleistung, fertiggestellt werden.


1983

Sämtliche Fallschirmjägerkompanien werden in die Wachstellung Strausberg
einbezogen.

16. – 19. März 1983

Eine Militärdelegation aus der VR Jemen besucht die DDR. Neben anderen
militärischen Einrichtungen besuchen die Militärs auch den Truppenteil

„Willi Sänger“.

15. August 1983

Übergabe des Bataillons an Major Klaus-Dieter Krug.

1983

Der Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Heinz Hoffmann, besucht
mit einer Delegation das Fallschirmjägerbataillon in Lehnin.

9. Oktober 1983

Endlich können die Angehörigen des FJ-Bataillon 40 in die neu erstandenen
Kaserneneinrichtungen in Lehnin einziehen.


1984

12. April 1984

Oberfähnrich Günther Schmidt absolviert seinen

1000. Fallschirmsprung.

1984

Die neue Dienstvorschrift 325/0/003 „Der Einsatz von Einsatzgruppen und
Fallschirmjägereinheiten“ wird in Kraft gesetzt.

26. – 31. März 1984

Teilnahme an der Übung »JUG 84« im Süden der DDR. Leitung: Generaloberst Horst
Stechbarth, Stellvertreter des MfNV der DDR und Chef der LaSK. Hervorhebung u.a.
des Truppenteils »Willi Sänger«. Feldwebel Kühn, der bei der Luftlandung in einen
Tümpel gezogen wird und Wasser in die Lunge bekommt, stirbt mehrere Tage darauf
an den Folgen. Seine letzte Ruhestätte findet Feldwebel Kühn auf dem Friedhof
Berlin-Friedrichsfelde.

21. Juni 1984

Eine Regierungsdelegation, darunter auch Erich Honecker, besucht das
Fallschirmjägerbataillon 40.

1984

Erste Überlegungen zur Übernahme der sowjetischen Luftsturmkonzeption für die
Luftlandetruppe der NVA.


1985

Letzter Besuch von Armeegeneral Heinz Hoffmann im Bataillon.

2. Dezember 1985

Mit 75 Jahren stirbt DDR-Verteidigungsminister, Armeegeneral Heinz Hoffmann. Er
war seit dem 14. Juli 1960 Minister für Nationale Verteidigung. Sein Nachfolger
wird Armeegeneral Heinz Keßler.


1986

21. – 28. August 1986

Teilnahme des FJB-40 als Luftsturmverband an der Übung »DRUSHBA 86«. Ein
Höhepunkt ist das Absetzen von gleichzeitig 184 Fallschirmspringern aus Mi-8TB
und Antonow An-26 im Raum des TÜP Lieberose (90 Km südöstl. von Berlin) und an
der Elbe bei KEHNERT (25 Km nordöstl. von Magdeburg).

1. Dezember 1986

Umbenennung in Luftsturmregiment 40 (LStR-40) und Übergang zu neuer Struktur.


1987

Inkrafttreten neuer Dienstvorschriften für den Gefechtseinsatz von
Luftsturmeinheiten (DV 325/0/007 Bataillon; Kompanie und DV 325/0/008 Zug;
Gruppe). Teilnahme an der Truppenübung »JUG87« (»SÜD 87«). Herbst: Auszeichnung
des mit dem Titel „Bester Truppenteil“.


1988

15. August 1988

Übernahme des Luftsturmregiments 40 durch Major Frank Lippert.

19. Oktober 1988

Auszeichnung des FJB mit dem Titel „Bester Truppenteil“.


1989

15. September 1989

Übernahme des Luftsturmregiments 40 durch Major Norbert Seiffert.

14. – 17. Oktober 1989

Neben anderen NVA-Einheiten werden drei Hundertschaften des LStR-40 nach Leipzig
verlegt. Ein Einsatz erfolgt jedoch nicht. Dennoch entsteht eine schwere innere
Krise im Truppenteil.

18. Oktober 1989

9. ZK-Tagung. Erich Honecker verliert nach 18 Jahren sein Amt und wird von allen
Funktionen entbunden. Egon Krenz, seit 1984 Honeckers Stellvertreter, wird
Parteichef und kündigt eine Wende an. Auch die Politbüromitglieder Joachim
Herrmann und Günter Mittag werden abgelöst.

24. Oktober 1989

Auf der 10. Tagung der Volkskammer wird Egon Krenz zum Staatsratsvorsitzenden
und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates gewählt.

7. November 1989

Die Regierung, unter dem Vorsitzenden des Ministerrates Willi Stoph, tritt
zurück.

8. November 1989

Rücktritt des Politbüros.

9. November 1989

Die DDR öffnet die Grenzübergänge zur BRD und zu West-Berlin.

18. November 1989

Admiral Theodor Hoffmann wird neuer Minister für Nationale Verteidigung.
Armeegeneral Heinz Keßler hatte sich zuvor in den Ruhestand versetzen lassen.

6. Dezember 1989

Egon Krenz (52) tritt als Staatsratsvorsitzender zurück. Ferner gibt er auch den
Vorsitz im Nationalen Verteidigungsrat ab, was gleichzeitig auch den Oberbefehl
über die Streitkräfte beinhaltet. Der Nationale Verteidigungsrat wird aufgelöst.


1990

31. Januar 1990

Besuch von zwei Angehörigen des LStR-40 beim Fallschirmbataillon 273 der
Bundeswehr in Iserlohn. Im Zuge dieses Besuches wird ein Patenschaftsangebot
unterbreitet.

18. April 1990

Pfarrer Rainer Eppelmann übernimmt mit diesem Tag das Amt als „Minister für
Abrüstung und Verteidigung“ der DDR.

2. Mai 1990

Kommandeurstagung der NVA. Minister Eppelmann erklärt: „Was die NVA betrifft, so
wird sie nach meiner Auffassung solange weiter bestehen wie in Europa zwei
Militärbündnisse, die NATO und der Warschauer Pakt, existieren.

Juni 1990

Besuch einer Delegation an der Luftlande- und Lufttransportschule der Bundeswehr
in Altenstadt.

Juli 1990

Teilnahme einer Delegation von NVA-Fallschirmjägern in Uniform an den
internationalen Vier-Tage-Märschen in Nijmwegen (Holland).

20. Juli 1990

(20. Juli 1944 = Attentat auf Hitler) 50.000 Soldaten der NVA legen einen neuen
Fahneneid ab. Hieß es sonst, „… an der Seite der Sowjetarmee den Sozialismus gegen
alle Feinde zu verteidigen …“, umfasst die neue Formel lediglich nur zwei Sätze:
„Ich schwöre, getreu dem Recht und den Gesetzen der Deutschen Demokratischen
Republik meine militärischen Pflichten stets diszipliniert und ehrenhaft zu
erfüllen. Ich schwöre, meine ganze Kraft zur Erhaltung des Friedens und zum
Schutz der Deutschen Demokratischen Republik einzusetzen.“ Parallel hierzu
ergeht der Befehl, die DDR-Kokarden von den Kopfbedeckungen zu entfernen. Sie
werden durch schwarz-rot-goldene Kokarden ersetzt.

2. August 1990

Neben der Absicht, die NVA von ursprünglich 170.000 auf 98.000 Mann zu
reduzieren, rückt Eppelmann jetzt erstmals von seiner Auffassung ab, die NVA
über die Einheit hinaus als eigenständige Armee fortbestehen zu lassen.

20. August 1990

Eine Verbindungsgruppe der Bundeswehr nimmt im Ministerium für Abrüstung und
Verteidigung in Strausberg ihre Arbeit auf.

31. August 1990

Unterzeichnung des „Vertrages über die Herstellung der staatlichen Einheit“
(Einigungsvertrag) im Ost-Berliner Palais »Unter den Linden« durch die
Delegationsleiter W. Schäuble und G. Krause. Dies führt sogleich zur Beendigung
der militärischen Aus- und Weiterbildung von Angehörigen der NVA an
sowjetischen, polnischen, tschechoslowakischen und anderen Lehreinrichtungen.

1. September 1990

Beginn des letzten Wehrdienstes für den letzten Freiwilligen-Lehrgang.

12. September 1990

Letzter Fallschirmsprungdienst des Truppenteils. Im Anschluss wird letztmalig
das FJ-Sprungabzeichens an Armeeangehörige verliehen.

23. September 1990

Durchführung von Fallschirmsprungdiensten mit Gästen aus 12 westlichen Ländern
auf dem Flugplatz Burg. An ca. 150 Teilnehmer wird das
NVA-Fallschirmsprungabzeichen verliehen.

24. September 1990

Unterzeichnung des Protokolls über die Herauslösung der NVA aus dem
Militärbündnis des Warschauer Vertrages.

28. September 1990

Sämtliche noch verbliebenen Generale und Admirale der NVA erhalten ihre
Entlassung aus dem aktiven Dienst. Sie werden i.d.R. durch Bundeswehr-Offiziere
ersetzt. Auch für die weiblichen Armeeangehörigen ist der Armeedienst – mit
Ausnahme des med. Dienstes – beendet.

2. Oktober 1990

Appell zur Vereinigung beider deutscher Staaten. Es folgt die Entbindung vom
Schwur sowie das Einziehen der Flagge. Ausbilder der Bundeswehr übernehmen die
Durchführung der letzten Grundausbildung im Regiment.

3. Oktober 1990

Einrichtung des Bundeswehr-Kommandos Ost (BwKdo Ost) in Strausberg zur
Abwicklung der Nationalen Volksarmee. Ihr Befehlshaber ist
Bundeswehr-Generalleutnant Jörg Schönbohm. Admiral Theodor Hoffmann wird als
Chef der NVA durch Bundeswehr-Generalmajor Lothar Engelhardt abgelöst.


1991

30. März bis 30. Juni 1991

In diesem Zeitraum wird die personelle und materielle Auflösung des Truppenteils
sowie der Dienststelle Luftsturmregiment-40 vollzogen.